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Tschamlerstraße 2, 6020 Innsbruck
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ARZ Aktuell
17.08.2011VBI - IT HUB
Cloud Computing für die VBI Banken.
Cloud Computing, Infrastructure-, Platform- and Software as a Service (IaaS, PaaS und SaaS) ist in aller Munde. Amazon tut es, Microsoft bietet es an, HP und IBM sehen es als Geschäftsmodell – und das ARZ? Die Services, die das ARZ der Buchungsgemeinschaft bietet, kann man – wenn auch nicht alle Attribute vorhanden sind – als „Software as a Service“ in einer „Enterprise Cloud“ bezeichnen.Nun hat das ARZ eine weitere Form des Cloud Computings, die „Platform as a Service“, aufgebaut. „Platform as a Service“ stellt dem Kunden Rechnerkapazität, Speicherplatz und Betriebssystemumgebungen für Anwendungen zur Verfügung.
Mit dem Aufbau dieses Services wurde das ARZ von der VBI beauftragt. Die VBI will mit diesem Projekt ihren zehn Banken in neun Ländern eine gemeinsame und standardisierte Plattform für die lokalen Applikationen – vom Kernbankensystem bis zum Internet-Banking – zur Verfügung stellen.
Der Auftrag
2009 begann die VBI, gemeinsam mit der Firma CSC die Struktur der IT der VBI Banken zu untersuchen, um die Kosten für die IT zu senken. In neun Ländern und zehn Banken hat jede Bank ein eigenes Rechenzentrum. Und eigentlich sind es doppelt so viele Rechenzentren, da jedes Land auch ein Backup-Rechenzentrum hat. Die Idee der Konsolidierung war also naheliegend. Bei Konsolidierungen gibt es unterschiedliche Stufen. Die Erste Bank Gruppe zum Beispiel bietet ihren Auslandstöchtern zur Konsolidierung eine hoch virtualiserte Hardwareumgebung an. Für das Betriebssystem, die Datenbankumgebung etc. ist das jeweilige Land selbst verantwortlich. Die Bank Austria wiederum stellt den Auslandsbanken das Kernbankensystem zur Verfügung, andere Applikationen werden jeweils von der Bank vor Ort im Land betrieben. Gemeinsam mit der CSC hat die VBI definiert, dass ein gemeinsames Rechenzentrum der Auslandsbanken die gesamte Infrastruktur – das bedeutet Hardware, Netzwerkanschlüsse, Betriebssystem und betriebssystemnahe Services wie Datenbanken, Backup etc. – zur Verfügung stellen soll. Dieses Vorhaben wurde mit einem Business Case unterlegt und sowohl vom Vorstand der VBI als auch vom Vorstand der ÖVAG genehmigt.
Das ARZ wurde beauftragt, dieses Projekt umzusetzen – das Projektvolumen beträgt fast 20 Millionen Euro! In der Planungsphase haben wir mit der VBI den Zeitplan für die Migration und die Projektphasen festgelegt (der Zeitplan für die Volksbank Ukraine wird zu einem späteren Zeitpunkt definiert). Nach Genehmigung des Zeitplans durch den Lenkungsausschuss wurde mit der Umsetzung begonnen. In Wien wurden daraufhin zwei Rechnerräume angemietet (im T-Center und im IBM Rechenzentrum ODC21, beides TIER-3-Rechenzentren), die Leitungen zwischen den beiden Rechenzentren wurden implementiert, die Maschinen (2 x IBM Power 770 mit 32 Prozessoren, 512 GB Hauptspeicher, 2 x 96 TB IBM Plattensubsystem, 2 x 1 Rack mit Intel Server für die Virtualisierung der Windows Server (im Endausbau werden min. 3–6 Racks vorhanden sein), 40 TB Speicher für Windows Server, Netzwerkanschlüsse, Firewalls etc.) wurden aufgebaut. Ein kleines „Projekttagebuch“ soll Ihnen die Dynamik der letzten 15 Monate zeigen:
Projekttagebuch
- März 2010: Die ersten Meetings mit der VBI, der CSC und den CIOs der jeweiligen Länder finden statt. Die von der CSC vorgeschlagene Lösung, die Hardware zu zentralisieren und die Systeme (Betriebssysteme und Applikationen) „as is“ zu übernehmen, auf Vorschlag des ARZ erweitert. Es wird definiert, dass die Länder die Applikationen auf standardisierten Systemen installieren und damit wird der Weg für ein Maximum an Synergie und Kosteneinsparung geebnet wird.
- April 2010: Die ersten Vor-Ort-Besuche in den Banken werden absolviert. Im Rahmen derer wird das Projekt dem gesamten Vorstand und auch der IT-Abteilung des jeweiligen Landes vorgestellt. Erste Planungsschritte seitens des ARZ werden gesetzt, um das Projekt zeitlich und budgetär zu kalkulieren.
- Mai 2010: Der Projektvorschlag und die Budgets nehmen Form an. Die CSC schließt die Studie mit einem Business Case ab. Das ARZ beginnt, Netzwerkanbieter und Anbieter von Rechenzentrumsfläche in Wien zu kontaktieren.
- Juni 2010: Das Projekt wird vom Vorstand der ÖVAG und der VBI beschlossen, der erste Lenkungsausschuss tagt mit den CIOs und den COOs der Länder, dem Vorstand der VBI und den Vertretern der ÖVAG und des ARZ.
- Juli 2010: Der ARZ-Aufsichtsrat genehmigt das Projekt. Auch der VBI-Aufsichtsrat gibt grünes Licht für die Umsetzungsphase.
- August 2010: IBM (ODC21) und TSystem werden als Standorte ausgewählt – Tier-3+ Standard, Erreichbarkeit, Erweiterbarkeit und natürlich der Preis geben den Ausschlag. Der Projektplan des ARZ wird im Lenkungsausschuss genehmigt und der Projektauftrag wird von der VBI unterzeichnet (Projektvolumen für das ARZ: 18 Millionen Euro).
- September 2010: GTS wird als Netzwerkanbieter ausgewählt – 100 MBit in jedes Land mit ausfallsicherer Anbindung (durch zwei geografisch getrennte Trassen) werden projektiert. Die Konfiguration der Power-770-Maschine für i5OS(AS/400) und AIX wird abgeschlossen.
- Oktober 2010: Der Aufbau der Rechenzentren schreitet voran (Abb. 1), Detailpläne für CZ und RO werden mit den Ländern erstellt. i5OS(AS/400)-Spezialisten werden im ARZ angestellt.
- November 2010: Die Maschinen werden von IBM geliefert und in den beiden Rechenzentren installiert. Die Neztwerkverbindungen zwischen den Rechenzentren (einmal über die Reichsbrücke, Länge 22 km, einmal über die Floridsdorferbrücke, Länge 28 km) mit einer Kapazität von 24 x 4 GBit werden installiert.
- Dezember 2010: Im Lenkungsausschuss vom 16. Dezember wird die Fertigstellung der Rechenzentren bekannt gegeben und gefeiert. In rekordverdächtiger Zeit wurden die beiden Rechenzentren in nur vier Monaten aufgebaut (Abb. 2 und Abb. 3). Das Projekt wird als „Green-IT“-Projekt anerkannt: Die ersten vier Länder werden für die IT etwa 50 Prozent Strom (lokale IT und IT HUB) einsparen. Dies entspricht einer Einsparung von rund 1.800 Tonnen CO² im Jahr.
- Jänner 2011: Erste Tests mit Tschechien, Installation der rumänischen Systeme.
- Februar 2011: Die Datenbankstandards werden veröffentlicht und erste Performancezahlen der zentralen Systeme werden bekannt – die Tagesendverarbeitung braucht statt 6,5 Stunden nur mehr 3 Stunden für Tschechien und nur mehr 4,5 Stunden anstatt 8 Stunden für Rumänien.
- März 2011: Die für die nationalen Aufsichtsbehörden notwendigen Unterlagen wie SLAs etc. sind erstellt. In den jeweiligen Ländern müssen die Banken der nationalen Aufsichtsbehörde bekannt geben, dass die IT außer Haus betrieben wird. In einigen Ländern wie beispielsweise Rumänien muss dies von der Aufsichtsbehörde genehmigt werden.
- April 2011: Architecture Freeze für VBCZ – im Environment sind keine Änderungen mehr erlaubt. Die zukünftige Produktionsumgebung ist fertig gestellt. In Tschechien beginnen die Anwendertests (User Acceptance Tests).
- Mai 2011: Die Verträge mit der VBI werden für die Vorlage bei den jeweiligen Aufsichtsbehörden unterschrieben, ein Notfalltest (an einem Standort wird der Strom abgeschaltet) wird durchgeführt – max. Unterbrechung sind 20 Minuten (4 Stunden sind vorgegeben). Der Migrationstestlauf der VBCZ ist erfolgreich und dauert um zwölf Stunden kürzer als geplant!
- Juni 2011: Die VBCZ unterzeichnet die Verträge, bestätigt die SLAs und die zur Verrechnung kommenden Preise.
Manfred Pfister

