ARZ Live: GMP – das Projekt läuft weiter

Vor drei Jahren informierten wir Sie an dieser Stelle über die Beweggründe und Ziele der OeNB, die „Gemeinsame Meldewesen Plattform“ GMP einzuführen. Heute ist die OeNB nach wie vor überzeugt, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben! Die Erweiterung des standardisierten Datenmodells als Basis für die durch die Fremdsoftware ABACUS generierten Meldungen an die Aufsicht wird konsequent weiterverfolgt.

Beginnend mit dem Wertpapier-Cube, erfolgte Mitte 2015 der Produktivstart des Cube-basierten Meldewesens. Kurz darauf folgten Einlagen-, Sachkonten- und Kredit-Cube. Die ersten größeren Änderungen am Datenmodell (V2) waren Basis für FMSCubes (Finanzmarkt-Stabilitäts-Cubes). Es folgte die Umsetzung der Belege Vera A1c, Finrep Solo und anschließend Vera A1a über das Datenmodell.

Roadmap Weiterentwicklung OeNB Datenmodell

Je nach Verfügbarkeit der benötigten und zu berechnenden Kennzahlen erfolgt die Befüllung bzw. Aktualisierung des Basic-Cubes mehrmals zum Meldestichtag.

Die nächste große Herausforderung

Mittlerweile wird bereits an der Implementierung des Datenmodells V4.x gearbeitet. Dieses dient als Basis für die nächste große Meldeherausforderung – Ana-Credit (Analytical Credit Datasets). Damit schließt sich auch der Kreis zu den regulatorisch bedingten Anpassungen im Core-Banken-System aus der Vergangenheit wie z.B. Forbearance oder FER, die nun unter anderem die Basisdaten für die Befüllung des Basic-Cubes liefern. Der Parallelbetrieb für AnaCredit startet mit dem Ultimo 06/2018, der Produktivstart ist für Ultimo 09/2018 vorgesehen. Dass die Themen aktuell bleiben, zeigt uns die Roadmap. Neumeldungen wie MREL oder Hypothekarkreditumfrage stehen hier ebenso wie die Ablöse des Full FinRep auf dem Plan.

Unsere Vorhersage von 2015, dass sich das Profil des Mitarbeiters im Meldewesen hin zum Datenanalysten ändern wird, hat sich großteils bestätigt. Der Meldewesenmitarbeiter muss mit den Meldeinhalten vertraut sein. Genauso wichtig ist es aber auch, die relevanten Daten und ihre Beziehung im Datenmodell zu verstehen, um Prüfregelverletzungen oder Rückfragen der OeNB effizient analysieren und beantworten zu können.

Die größte Herausforderung besteht aber darin, die Konsistenz der Daten im Basic-Cube zu gewährleisten.

Voraussetzung dafür ist die entsprechende Datenqualität in den datenhaltenden Systemen einerseits sowie die erforderliche Parametrierung des Befüllungsprozesses andererseits. Zudem sind Ergebnisse aus anderen Rechenkernen (z.B. RIWA, eZKO, Asset Encumburance) einzubinden.

Damit das Zusammenspiel funktionieren kann, sind einheitliche Rechenkerne und eine zentrale Ablage der Ergebnisse, auf die im Befüllungsprozess zugegriffen werden kann, zwingend notwendig. Das kann nur sichergestellt werden, wenn ein zentrales DWH genutzt wird und die Banken für die Meldungserstellung auf die ARZ-Rechenkernergebnisse zurückgreifen und auf Individuallösungen verzichten.

Je mehr Standardisierung bei der Nutzung der ARZ-Produkte in der Buchungsgemeinschaft erreicht werden kann, desto einfacher lassen sich Anforderungen aus der GMP umsetzen und desto geringer gestalten sich die Kosten im Support und im laufenden Betrieb.

Komplexe Datenmodelle

Wurde das Meldewesen durch die GMP weniger komplex bzw. leichter zu handhaben?

Diese Frage kann wohl mit einem klaren Nein beantwortet werden. Die Aufgaben des ARZ und der Bankfachexperten verlagern sich weg von der Umsetzung von Belegen hin zur Analyse und Befüllung eines komplexen Datenmodells. Dieses Datenmodell unterliegt durch laufende Änderungen und Erweiterungen einem stetigen Wandel.

Die Komplexität der Anforderungen, kurze Umsetzungszeiträume und die teilweise sehr knappen Ressourcen der Fachbereiche in den Banken machen zudem immer wieder den Zugriff auf externe Unterstützungsleistung, wie zum Beispiel durch die Beratungsfirma SKS, notwendig.

Anforderungen aus der Regulatorik wirken sich auch immer wieder bis in die Kernbanksysteme und die damit verbundenen Prozesse in den Banken aus. Dadurch steigt das Erfordernis der engen Abstimmung mit den jeweiligen Produkt- bzw. Spartenverantwortlichen. Dies ist in der Projektplanung zu berücksichtigen.

Enge Zusammenarbeit

Ständige Datenmodelländerungen erfordern zudem laufend Regressionstests bereits umgesetzter Meldungen. Die Komplexität steigt dabei mit dem immer größer werdenden Umfang. Fehlerquellen sind nicht leicht zu lokalisieren, weil diese ihre Ursache sowohl in der Befüllung des Basic-Cubes als auch in der Fremdsoftware ABACUS haben können. Eine enge Abstimmung zwischen Banken und ARZ und Aurep ist dabei unabdingbar.

Um die laufenden Änderungen und Anforderungen nicht aus den Augen zu verlieren, ist die Teilnahme an diversen Abstimmgremien nötig. So sind Vertreter der Banken und des ARZ immer wieder gefordert, sich in Sitzungen wie der Aurep USER Group oder OeNB SCOM Abstimm- und Arbeitsinstanz aktiv einzubringen.

Mag. Florian Graiff
Mag. Hubert Steidl