ARZ Live: Instant Payments – mehr als eine schnelle SEPA-Überweisung

Instant Payments bieten neue Möglichkeiten im Zahlungsverkehr. Der zentrale Vorteil: Binnen weniger Sekunden wird sowohl am Empfängerkonto gebucht als auch dem Auftraggeber die Verarbeitung der Zahlung bestätigt.

Derzeit werden Gutschriften hauptsächlich über das SEPA-Format abgewickelt und erreichen den Empfänger europaweit am nächsten Bankwerktag. Das ist schon ein großer Fortschritt zu den Verarbeitungszeiten vor der Einführung des SEPA-Verfahrens, aber selbst bei taggleich valutierten Zahlungen vergehen einige Stunden, bis der überwiesene Betrag dem Empfänger zur Verfügung steht.

Ablauf eines Instant Payments

Eilige Zahlungen werden derzeit über das SWIFTNetzwerk abgewickelt. Diese kommen üblicherweise binnen Minuten beim Empfänger an.
Bei Instant Payments wird nicht nur innerhalb weniger Sekunden am Empfängerkonto gebucht, sondern auch dem Auftraggeber die Verarbeitung der Zahlung bestätigt.
Der Betrag steht dem Empfänger sofort 24/7/365 zur Verfügung, also auch am Wochenende und an Feiertagen. Das heißt, der Empfänger kann sofort über das Geld verfügen.

In Zukunft: noch einfacher und schneller

Diese Instant Payments verlangen einerseits, dass im ARZ hochverfügbare Systeme bereitgestellt werden müssen, andererseits, dass die Prozesse in den Banken grundlegend überdacht und hinterfragt werden: Eine manuelle Entscheidung (sei es bei Kontosperre, fehlender Kontodeckung oder auch Geldwäscheverdacht) ist nicht möglich. Jedes „Aufhalten“ einer Zahlung bedeutet automatisch die Ablehnung dieser Zahlung.
Diese Kombination aus Verfügbarkeit und Geschwindigkeit bietet aber auch viel mehr Möglichkeiten als nur eine „schnelle SEPA-Überweisung“. Vielmehr ist es möglich, Instant Payments für Online Shops, am Point of Sale (auch bei niedrigen Zahlungsbeträgen) oder über eine Messenger-APP (WhatsApp Payments werden in Indien bereits verwendet) einzusetzen.
So denken große Unternehmen schon über den Einsatz einer „Notification“ nach: Es handelt sich dabei um eine XML-Nachricht, die den Empfänger eines Instant Payments sofort vom Zahlungseingang informiert, womit dieser automatisch den Versand veranlassen oder ein Produkt zum Download freischalten kann.
Wenn man einen Schritt weiter geht, ist diese Verständigung gar nicht mehr notwendig: Der Kommerzkunde kann, nach Autorisierung durch den Privatkunden, selbst als Zahlungsauslöser (Payment Initiation Provider, PISP) auftreten und dem Kunden somit einen einfachen und schnellen Zahlungsprozess ermöglichen. Als Absender der Zahlung erhält der Kommerzkunde unmittelbar Feedback über die Durchführung seiner Transaktion.
Dadurch ergibt sich das Potenzial, dass die Bank nun direkt die Zahlung abwickelt (statt z.B. über eine Kreditkarte) und so ein neues Ertragsfeld erschließt. Zusätzlich bietet sich ein genauerer Einblick in das Konsumverhalten der Kunden.

Instant Payments in der Buchungsgemeinschaft: Rückblick

Schon im Jahr 2016 wurde begonnen, ein Pflichtenheft-Projekt zu initiieren, ein Projektteam zusammenzustellen und die Anforderungen an eine neue Instant-Payment-Applikation zu erheben. Es galt Kompromisse zwischen dem „alten“ und „neuen“ Zahlungsverkehrssystem zu finden.
Schnell wurde klar, dass nicht der schnelle Einstieg über EBA-Clearing 2017 angestrebt werden soll, sondern dass die Anbindung über das TIPS („Target Instant Payment Settlement“) der EZB zu bevorzugen ist. Dieses steht seit November 2018 produktiv zur Verfügung.
Die ARZ-Banken haben sich bei der Anbindung an das TIPS-System an die PSA, einen bewährten Partner für hochverfügbare Lösungen, gewandt. Die Infrastruktur und somit die Erreichbarkeit der meisten österreichischen sowie vieler europäischer Banken steht voraussichtlich im April 2019 zur Verfügung.
Im November 2018 wurde die Instant-Payment-Applikation ARZ-intern in Betrieb genommen und am 20. November 2018 die erste Instant Payment-Zahlung durchgeführt.

Instant Payments in der Buchungsgemeinschaft: Ausblick

In der ersten Jahreshälfte 2019 geht es dann Schritt für Schritt weiter in Richtung Zahlungsverkehr der Zukunft: Die Anbindung an das internationale Clearing der EZB, die Implementierung in der EBPmg, der HBP sowie auch im Datenträgersystem sind die nächsten Meilensteine, die in diesem Zeitraum zur Verfügung gestellt werden.
Der Weg Richtung Instant-Zeitalter ist somit bereitet, es bleibt jedoch noch viel Arbeit und Anpassungsbedarf, damit sich der Nutzen auch im End-to-End-Prozess voll entfalten kann. Instant Payments haben das Potenzial, bestehende Zahlverfahren zumindest in Teilen zu ersetzen.

Klemens Holzbauer
Gruppenleiter Datenverarbeitung